Kinolandschaft um Hohenfinow

Von Dagmar Kamlah — Welche Filmvorführungen rund um Hohenfinow sind interessant? —

Vor 2 Jahren bin ich aus dem niedersächsischen Flachland an die Oderbruchkante gezogen. Ich wollte in die Nähe Berlins und in schöne Landschaft; Uckermark, Schorfheide oder Oderbruch klangen erstmal gut – und tatsächlich entdecke ich nun nach und nach meine neue Umgebung durchaus mit Genuss.

Seit Teenagerzeiten war das audiovisuelle Medium meine Leidenschaft und dann mein vorrangiger Tätigkeitsbereich. Ich habe Filme gemacht, fotografiere und arbeite bei einem Wanderkino mit, folglich war eine wichtige Frage für mich: Wie sieht es hier mit dem kulturellen Angebot aus? Gibt es Kinos oder sonstige Filmveranstaltungen? Den Überblick, den ich bisher diesbezüglich über meine neue nähere Umgebung gewonnen habe, gebe ich hier jetzt an Sie weiter:

Als ich hier in der Gegend noch auf Wohnungssuche war, lief im Hof-Theater in Bad Freienwalde eine kleine Defa-Filmreihe – das gab mir Hoffnung. Doch aktuell laufen dort leider keine Filme mehr. Den Film im weitesten Sinne berührend gab es 2025 dort noch eine Reihe Lesungen u.a. mit dem Schauspieler Winfried Glatzeder aber ansonsten: Boulevardtheater.

Eigentliche Kinos gibt es nur in Eberswalde und Bernau. Im Eberswalder Movie Magic laufen in der Reihe „Der besondere Film“ montags und dienstags mal aktuelle Erstaufführungen von Arthouse-Filmen. Das sonstige Programm möchte ich als Cineastin nicht kommentieren.

Aber an gleich mehren alternativen Spielorten fand ich vielversprechende Filmveranstaltungen:

In Oderberg bietet der Verein Perspektive Oderberg ungefähr alle zwei Wochen eine „Leinwand“ – mit einer auf Unterhaltung mit Niveau hin kuratierten Auswahl meist aktueller Spielfilme. Die Vorführungen fanden lange im alten Rathaus statt, seit letztem Herbst in einer Gaststätte. Die Veranstaltungen immer an Freitagabenden werden gut besucht und bilden einen wichtigen Treffpunkt für die Oderberger Bevölkerung. Neben einigen jährlichen Ereignissen und dem Schifffahrtsmuseum darf die „Leinwand“ als eine der Attraktionen dieser so schändlich verkehrstechnisch vernachlässigten Stadt gelten. Nächster Termin 10. Juli, 19:30 Uhr mit ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE über einen Nachwuchsschauspieler, der um Erfolg ringt (Senta Berger als seine skurrile Großmutter).

In Joachimsthal finden im Kulturhaus Heidekrug 2.0 neben allerlei kulturellen Angeboten auch regelmäßig Kinoabende statt. Das Programm kann sich sehen lassen, nicht nur anspruchsvolle Unterhaltung, sondern auch Dokumentarfilme und sogar demnächst ein Stummfilm: DAS CABINET DES DR. CALIGARI, ein expressionistischer Klassiker auf der Burgruine Grimnitz (26.Juni, 21:30 Uhr). Kurz danach DIE MÖLLNER BRIEFE, ein vielgelobter Dokumentarfilm, der den Brandanschlag 1992 aufarbeitet. Erst nach fast 30 Jahren wurde bekannt, dass die Stadt Mölln Hunderte Briefe mit Solidaritätsbekundungen erhalten hatte. Der Film folgt einem der Überlebenden bei der Entdeckung dieser Briefe und der Begegnung mit drei ihrer Verfasser*innen (3.Juli, 19:30 Uhr).

Und dann gibt es das Mobile Kino Uckermark, was von Templin aus in die ganze Region wandert, sogar bis nach Golzow tief im Oderbruch… Von Juni bis September werden an zahlreichen Orten Open air-Vorführungen organisiert. Das Programm wirkt eher familienorientiert, ein breites Spektrum von Unterhaltungsfilmen. Die Kooperationspartner wählen selbst die Filme aus einem bereitgestellten Pool aus. Die Finanzierung trägt das Multikulturelle Zentrum in Templin, wo auch reguläres Kinoprogramm geboten wird. Auf der Website sind alle Termine schon zu erkunden: https://www.mkc-templin.de/kino/mobiles-kino/.

Ein weiteres Wanderereignis bildet die Initiative „Let’s Dok“ mit bundesweiten Dokumentarfilmtagen und einem Fokus Brandenburg im Jahr 2023. In unserer Region waren Joachimsthal, FRW und Biesenthal beteiligt. Die AG Dok kooperiert dabei mit interessierten Veranstalter*innen und unterstützt deren Ideen und Projekte. In der Edition im September 2025 fand jedoch leider nichts in unserer Region statt.

Selten, so ein bis zwei Mal im Jahr, erstaunen einen besondere Kinoereignisse wie der direkt nach dem 2. Weltkrieg in der SBZ gedrehte dokumentarische Spielfilm FREIES LAND in der Gaststätte Grüner Baum in Temmen-Ringenwalde. Der gemütliche Saal war proppenvoll, viele genossen zusätzlich das gute Essen. Nach der wirklich selten gezeigten Filmhistorie entstand mit geladenen Gästen eine lebhafte Diskussion, in die ältere Zuschauer*innen die eigenen Erinnerungen einbrachten. Der Abend war Teil einer Filmreihe, die an verschiedenen Orten von der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur realisiert wurde (in Kooperation mit dem Filmmuseum Potsdam).

Vermutlich habe ich nicht alle hiesigen Kinoevents mitgekriegt? Aber soweit würde mein regionales Fazit eher unbefriedigend ausfallen – gäbe es nicht in Eberswalde ein Filmfestival! Und was für eins, selbstbewusst nennt es sich „Provinziale“ und macht der Provinz alle Ehre. Gegründet 2003 von „SEHquenz e.V. für kommunale Filmarbeit“, einem Verein mit etwa 35 Mitgliedern. Gezeigt werden Dokumentar-, Animations- undKurzspielfilme, Die beiden letzten Jahre habe ich mir schon fast alles angeguckt und empfehle dringend, dieses internationale und hochkarätig kuratierte Programm wahrzunehmen. Die einzelnen Sektionen werden ehrenamtlich von Beiräten aus (zuletzt fast 600) eingereichten Filmen ausgewählt, lange Dokumentarfilme werden aktiv angefragt.

In die Stadt für Nachhaltigkeit fügt sich das Festival mit einer entsprechenden Programmatik angemessen ein: „Raumbezug, Ressourcenbewirtschaftung, Kommen, Gehen, Bleiben und Gestalten. Landschaft, Region oder Ort werden als Mitspieler des menschlichen Lebens sichtbar“ – so steht es auf seiner Website und ich kann bestätigen, dass die gezeigten Filme einen entsprechenden thematischen Zusammenhang bieten. Es macht Spaß und ist die Herausforderung, nicht einfach nur visuelle Genüsse zu goutieren, sondern auch in Bezug auf bestimmte Themen die Filme zu hinterfragen. Und doch ist die Provinziale ein echtes Filmfestival, keine Öko-, Sozio- oder Ethno-Spezialangelegenheit, sondern legt vorrangig Wert auf cineastische Qualität.

Die Festivaltage im Haus Schwärzetal sind geprägt von lebendiger Atmosphäre, die Vorstellungen meist ausverkauft. Zwischen den Programmblöcken spielen Musiker auf, zahlreiche Sonderveranstaltungen wie Workshops, ein Heimatfenster, ein Jugendfilmnachmittag zeigen u.a. wie weit der Verein sich in der Stadt und Region vernetzt. Im Verlauf des Jahres finden weitere Kooperationen mit Schulen oder anderen Partnern statt. Am besten gleich den Termin für die nächste Provinziale notieren: 10.-17. Oktober 2026.

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