von Carmen Winter — Besuch in Frankfurt/ Oder beim polnisch-deutschen Kunstfestival
Nach einer zweijährigen Pause wurde am Freitag, dem 4. September 2026 in Frankfurt (Oder) wieder das Festival „Art – an der Grenze – na granicy“ eröffnet. Ein Team aus Ehrenamtlichen hat es mit Unterstützung des Vereins Kunstgriff e.V. organisiert. Das Festival bietet seit 2013 deutschen und polnischen Künstlerinnen und Künstlern Raum, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Für manche ist es die erste Möglichkeit, auszustellen. Begleitet wird das Festival, das noch bis zum 13. September seine Türen geöffnet hat, von verschiedenen Workshops und Lesungen.
Zum Konzept von Art an der Grenze gehört auch, dass Räume in der Stadt geöffnet werden, die sonst ungenutzt bleiben. In diesem Jahr ist es die ehemalige Brücktorklause mit einer Terrasse zur Oder hin. Räume, die nicht für Ausstellungen gemacht sind, bieten einen reizvollen Rahmen für die Kunst. So ist ein kleinerer Raum mit Sofa, Tischchen und Sessel ausgestattet. Auf dem Tisch liegen Bücher von beteiligten KünstlerInnen aus, an den Wänden hängen die Fotos der Food-Fotografin Marta Fochtmann. Eine unausgesprochene Einladung zum Verweilen, die schon am Eröffnungstag angenommen wurde.

Ein anderer kleiner Raum ist komplett schwarz gestrichen und mit einem schwarzen Vorhang abgeschirmt. Hier leuchten die Bilder von Wiktoria Klera aus ihrer Serie „Earthling – Rückkehr auf meinen Planeten“, die an eine Weltraumreise erinnern.

Neben großformatiger Malerei von Matthias Tusche und Monia Ben Larbi finden sich Miniaturen von Paul Fo Bogadtke und Stefan Bradtner. Von letzteren sind auch größere Arbeiten ausgestellt.

Faszinierend sind die Fotos von Lost Places von Gudrun Kissinger, die mit ihrer großen räumlichen Tiefe wie Bühnenbilder wirken. Bei den Illustrationen von Friederike Zeidler, die auch als Tätowiererin arbeitet, huschte den Betrachtern ein Lächeln über das Gesicht. Czirtysix kombiniert Street Art und Renaissance. Auch bei Lindy und Nicolas sind Einflüsse aus der Street Art deutlich. Sie überraschen die Besucher mit einer zauberhaften Installation, in der Natur und Kunst vereint sind.

Mit der Minomalgruppe beteiligt sich auch eine Künstlerinnengruppe mit ganz verschiedenen Handschriften an der Ausstellung.
Ergänzt wird das Programm mit einer Lesung von Swantje Kautz und Marco Witt.
Beim Gang durch die Ausstellung wird deutlich, wie viele Talente auf beiden Seiten der Grenze in um Frankfurt (Oder) und Słubice schlummern. Art an der Grenze bietet ihnen ein Podium. In den vergangenen Jahren wurde schon manch ein Talent geweckt und ist nun fester Bestandteil der Kunstszene.
Aus der Taufe gehoben hat das Festival einst eine Studentin der Viadrina. Noch heute sind Universitätsmitarbeiterinnen, ehemalige Studierende, die inzwischen in der Verwaltung oder der Bibliothek der Stadt Frankfurt (Oder) arbeiten und Menschen, die sich einfach für Kunst interessieren, Teil des Organisations-Teams. Sie investieren viel Zeit für ein Projekt, dass sich beim Frankfurter Publikum großer Beliebtheit erfreut. Eine erfreulich unorthodoxer Umgang mit der Frage: „Was ist eigentlich Kunst?“ gehört zum Auswahlprinzip der Festivalmacher. Es ist vermutlich ihr Erfolgsgeheimnis.
Programm und Öffnungszeiten unter https://artandergrenze.wordpress.com/


